Bandinfo

 

Emotionen, so ungebremst wie ein Aufprall bei 180 km/h. Worte, so wohlgesetzt, als wären sie in Stein gemeißelt. Strukturen, so schroff und zugleich präzise wie ein Bergmassiv in kristallklarer Morgensonne. Finder sind die perfekte Symbiose aus hakenschlagender Spielfreude, entwaffnender Offenheit und druckvoller Abfahrt. 

 

Es gibt Phasen in der Musikgeschichte, da findet sich ein Wort für eine ganze Gattung. Ein Begriff, mit dem alle etwas verbinden können. Eine Kategorie, die sehr gut altert. Grunge war so ein Wort. Oder Punk, angeblich seit vierzig Jahren tot. Thrash Metal. Sogar Indierock. Doch rund um die Jahrtausendwende bildeten sich ein paar Formationen, für die sich nachträglich kein Oberbegriff findet, welcher der Intensität ihrer Musik auch nur annähernd gerecht wird. Emo? Screamo? Post-Hardcore? Zu platt, zu klein, zu vieldeutig für diese in Gitarrenmusik gegossenen Höhepunkte beseelter Verzweiflung. Dabei prägten Moneen aus Kanada, Funeral For A Friend aus Wales sowie From Autumn To Ashes und Thursday aus den USA genauso eine ganze Generation meist junger Männer, wie es eineinhalb Jahrzehnte vor ihnen Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden getan hatten. 

 

Die drei Musiker von Finder kommen nicht aus Ontario oder Long Island, sondern aus Soltau, klingen aber, als hätte sich die Lüneburger Heide seit ihrer Bandgründung 2014 in die amerikanische Westküste verwandelt. Sie gehören zu der Zwischengeneration, die beim Gedanken an Songs wie „Juneau“ oder „Understanding In A Car Crash“ feuchte Augen und geballte Fäuste bekommen und vollbringen das Meisterstück, den „Full Collapse“ dieser goldenen Epoche zeitgemäß in die deutschsprachige Rockmusik des 21. Jahrhundert zu übertragen. Ihre Songs sind hochdynamisch, druckvoll und zugleich voller Luft zum Atmen. Sie verwandeln die Tiefschläge des Lebens in den herrlichen Antrieb des euphorischen Trotzdems. In einem ganz entscheidenden Punkt brechen sie allerdings mit ihrer noch recht jungen Tradition. Im Gegensatz zu Geoff Rickly, Francis Mark oder Matthew Davies gerät Jochen Gros niemals ins Schreien. Stattdessen legt er glasklare Melodiebögen über all die Wunden und Scherben des Lebens, wie eine dichte Schicht feinsten Schnees, der im Winter die scharfen Kanten der Steine verdeckt. Diese Kombination macht die Band (die mit ihrem tighten Druck nebenbei mal wieder die Form des Trios als optimale Aufstellung der Rockmusik belegt) so einzigartig und reizvoll. Stücke wie „Wieder klar“ oder der Titelsong beginnen rhythmisch wie klanglich tatsächlich wie vor 15 Jahren die besten Momente von Thursday, öffnen sich dann aber spätestens beim Refrain zu Melodien, deren Verlauf mit jedem Ton die Vorratskammern von Serotonin, Dopamin und Adrenalin aufreißen und den Körper mit Euphorie fluten. Mag sein, dass dies nicht gelänge, wären die gleichen Hooklines in harmlose Popmusik eingebettet, aber in Kombination mit der wonnevollen Wucht entfalten sie einen unbeschreiblichen Sog.    

 

 

Noch ein letztes unterscheidet die Soltauer von den britischen, kanadischen und amerikanischen Vorbildern ihrer Jugend – sie hauen nicht durchgängig auf die Glocke. Sie hören darauf, was der Song und seine Geschichte brauchen. „Bin ich so weit weg von dir“ entfaltet sich ganz schlicht und straight wie eine alte Nummer von Jimmy Eat World. „Finde dich, finde mich“ klingt mit seinem Uptempo-Teil wie eine Mischung aus Bosse und No Use For A Name. Der weiße Fuchs, der im fantastisch gestalteten Artwork des Albums still durch die fahlgraue Nacht des Nadelwaldes streift, impliziert zwar eine gewisse Introvertiertheit, doch sollte man Finder in all ihrer Vielseitigkeit und Wucht in jedem Fall extrovertiert auf der Bühne erleben. Fragt sich nur, ob sie es in fünf Jahren übers Herz bringen könnten, einen ihrer alten Helden bei sich als Support mitfahren zu lassen. Denn machen sie so weiter, werden sie diesen Status erreichen. Die Substanz und Größe dafür haben sie schon längst.

 

 

FINDER SIND:

Jochen Gros - Gesang / Gitarre

Markus Frank - Bass / Gesang

Daniel Petereit - Schlagzeug